Unterwegs in Da Lat mit Easy Rider Mui

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Heute wird es echt schwierig. Schwieriger denn je alles hier so gut wie möglich zu beschreiben. Soviel vorweg. Es war wirklich grandios. Mehr als das. Es war Charmant. Vietnam hautnah.

Vertrauen ist der Anfang von allem

So heisst es im Werbespot einer bekannten Versicherung. Und ja da ist was dran, definitiv! Als ich gestern durch Da Lat lief sprach mich ein stabil gebauter Vietnamese mit blauer Jacke an ob ich nicht Lust hätte auf eine Motorrad-Tour. Und am Anfang war ich ziemlich skeptisch. Aber er zog mich in seinen Bann. Wie er erzählte. Lebhaft. Aufgeregt. Ansteckend. All das was er erzählte war eigentlich genau das was ich gerne machen würde.

Freude kam auf, gemischt mit noch ein paar letzten Zweifeln. Aber ich tat es und sagte zu. Der Plan war am 20.04. Da Lat und Umgebung zu erkunden und einen Tag drauf Richtung Ho Chi Minh City aufzubrechen. Natuerlich mit vielen Zwischenstationen.

Da war sie wieder die Aufregung.

Achso aber vorab. Darf ich vorstellen. Mui. Seines Zeichens Mitglied der Easy Rider. 20130420-182101.jpg

Die größte Bhudda Statue von Dalat

Es geht früh los heute morgen. 6.30 Uhr aufstehen. Um 8 Uhr holt mich Mui im Hotel ab. Nach Helmübergabe schwinge quäle ich mich auf Mui's Honda. Unsere erste Station ist ein hoher Berg in Da Lat. Auf ihm befindet sich ein Tempel samt Buddha Statue. Wirklich Erhaben sitzt er da oben und wacht über die Stadt.

Mui erklaert mir ein paar Dinge zum Buddha und lässt mich einfach absteigen und meint in wirklich gutem Englisch: "Go around and explore". So schaue ich mir den Tempel an. Menschen die Beten. Und kein einziger Tourist. Naja fast. Alles vietnamesische Touristen was für mich keinen Unterschied macht :)

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Snacken auf der Strasse

Nachdem ich ausgiebig schauen fotografieren und staunen konnte geht's weiter. Wir fahren durch kleine Gassen. So klein dass es manchmal fast zu eng ist fuer 2 Roller bzw. Motorräder. Rechts, Links. Ich habe schon vor 20 Minuten die Orientierung verloren. Egal. Mui ist da. Als wir an einem Feld vorbei kommen halten wir kurz. "Was wird hier angebaut?" fragt Mui mich. "Erdbeeren!" Die Franzosen brachten die Erdbeeren vor vielen Jahren mit hier her nach Da Lat und seit dem gibt es die rote Frucht auch hier. Aber wohl auch nur hier oben.

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Weiter geht es wieder auf ein Gewirr von Strassen in der Stadt. Der Übergang ist hier fliessend. Und nach wiederum 10 Minuten Fahrt halten wir bei einem Strassenstand. Wir nehmen kurzerhand auf den kleinen, roten Plastikstuehlen platz. Mui erklärt mir was es hier gibt. Auf dem Herd der aussieht als wäre er fuer Muffins wird Banh Can gemacht. Kleine "Törtchen" gemacht aus Reismilch mit ein bisschen Eigelb oben drauf. Das ganze kommt dann in eine Art Zwiebelsuppe. Der Hammer. Mehr als das! Unglaublich lecker!

Mui versucht mir immer wieder, mehr oder minder erfolgreich, Vietnamesisch beizubringen. So bringt er mir beim Essen bei zu sagen, dass ich deutscher bin...zur Belustigung aller anderen :) Toi La Nguoi Duc. Mittlerweile kann ich es sogar halbwegs richtig aussprechen. Am Anfang kam wohl falsch betont "Ich bin ein Eber" raus. Schallendes Gelächter. Und das wird nicht das einzige Mal sein an diesem Tag.

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Verdauungsspaziergang

Nach dem Essen geht es weiter. Dieses Mal etwas länger raus aufs Land. In die Berge von Da Lat. Irgendwann stoppt Mui an einem kleinen Feldweg. Mit einem kurzen "Hop off" wirft er mich vom Bike. Der Feldweg geht steil nach oben durch ein paar Bäume zu einer kleinen Anhöhe. Ich folgere schnell: "That looks like work!". Er bestaetigt kurz mit "You're right" und macht mir klar, dass er mich auf der anderen Seite erwartet. Ich soll mir Zeit lassen. Geniessen. Fotografieren. Das lass ich mir nicht 2 Mal sagen und laufe ganz alleine den Berg hoch. Keine Touristen. Weder weit noch breit.

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Zwiebeln und Tofu

Weiter geht es vorbei an einem Zwiebelfeld wo mehrere Leute arbeiten. Auch hier halten wir kurzerhand. Mui erklärt mir wie die Menschen hier die Zwiebeln ernten und sortieren. Ein Kilo Zwiebeln (von den guten, grossen) bringt hier ca. 20.000 VND - das sind gerade mal ein Dollar! Mui zeigt mir wie die Feldarbeiter die Zwiebeln tragen mithilfe der Holzstange an deren Ende jeweils ein Sack mit 40!!! KG Zwiebeln hängen. Er versucht sich auch selbst mal dran und schafft es unter Ächzen immer hin 20 Meter. Natürlich darf ich es auch versuchen. Und scheitere Kläglich. Die Säcke bewegen sich keinen Millimeter vom Boden. Wieder Gelächter. Nur dieses Mal ist es das ganze Feld. Macht aber nix. Gibt es heute eben kein Foto fuer mich. :) Zum Glück gab es doch welche!

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Wir fahren weiter. Kommen wieder in einen Ort. Oder nur einen Ortsteil. Bin mir nicht sicher. Ich habe die Orientierung komplett verloren. Wieder geht es durch kleine Gaesschen. Wir halten auf einem kleinen Hof und gehen in das benachbarte Haus. Einfach so. Kein Klopfen. Kein Hallo. Nichts. Im hintersten Raum angekommen sind 2 Vietnamesen fleissig am arbeiten. Sie machen Tofu. Alles von Hand. Aufwändig. Aber es sieht aus, als hätte es Hand und Fuss.

Mui reicht mir ein Stück und ich probiere. Schmeckt irgendwie nach nichts. Aber ich glaube das hat Tofu so an sich. Die Menschen sind auch hier nett und lächeln. Ernst gemeint. Mui macht Späße übers heiraten und fragt mich ob ich eines Tages wiederkommen und eine Vietnamesische Frau heiraten werde. Wiederkommen tu ich auf jeden Fall. Soviel ist sicher. Never say maybe!

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Ab auf's Land zum crazy Chicken

Unsere nächste Station ist weiter auf dem Land. Dieses Mal fahren wir ein Weilchen. ich schätze so ca. 20-30 Minuten. Wir kommen auf's Land. Raus zu einer "ethnischen Minderheit" - schreckliche Phrase aber ich weiss den Namen des Volkes leider nicht mehr. Werde morgen noch einmal nachfragen!

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Direkt wo wir halten steht die Statue von einem Huhn. Es ist Bestandteil einer alten Legende. Versuche das nun kurz, knapp und verständlich wiederzugeben:

Einst waren die 2 Voelker (dessen Namen ich morgen in Erfahrung bringe!) verstritten und im Krieg mit einander. Als dann der eine Anführer den anderen umbringt, trifft er auf dessen Tochter. Die jedoch ist so huebsch, dass er es nicht übers Herz bringt sie zu töten und sich in sie verliebt. Daraufhin wird er aus dem eigenen Dorf in die Berge verstoßen. Zurück kommen darf er nur wenn er ein Huhn findet welches 9 Sporen an den Füßen hat. Daraufhin war er nie mehr gesehen. Allerdings haben die beiden Voelker ihre Waffen daraufhin niedergelegt und Frieden geschlossen.

Dass Denkmal hat die vietnamesische Regierung gestiftet nachdem ein selbst gebautes Denkmal im Regen kaputt ging. Das Huhn schaut in die Richtung in die der Anführer verbannt wurde. Und es hat 9 Sporen an den Füßen!

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Genau gegenüber des Huhns webt eine Familie Teppiche. Wikrlich schön. Dong, die Dame des Hauses erklärt mir das ein grosser Teppich in den Maßen 1 x 1 m ca. 1 Woche in der Herstellung dauert. Und es sieht auch verdammt kompliziert aus was ihre Tochter da macht. Aber schön, wie gesagt!

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Mui blödelt staendig rum und macht Spaesse. Es ist zu keiner Zeit langweilig. Er uebersetzt immer wieder bereitwillig und versucht mir neue Worte bei zu bringen. Alle sind super freundlich. Man fuehlt sich trotzdem zu nichts verpflichtet. Es ist zum Schreien geil! :) man fuehlt sich einfach Wohl.

Glasscherben und 3 Hochzeiten

Nach einem guuuuuten Mittagessen (irgendwo im Dorf) mit Pho Bo (Nudelsuppe mit Schweinefleisch) geht es wieder Richtung Da Lat Zentrum. Dort fahren wir wieder zu einem Tempel. Bzw. einer ganzen Tempel bzw. Pagodenanlage. Das ist eine Touristenattraktion und auch wieder eine Gebetsstaette. Aber natürlich auch dieses Mal wieder eine vietnamesische. Faszinierend ist, dass die grosse Pagode komplett besetzt ist mit Glas- und Keramikbruchteilen. Kleinere, größere, mal ganze Seiten von Bierflaschen, mal Teile eines Tellers oder einer Tasse. Toll.

Faszinierend ist auch die riesige Glocke in der grossen Pagode. Sie ist voll mit kleinen Zetteln. Alles Wunschzettel der Vietnamesen. Dem buddhistischen Glauben nach gehen die Wünsche in Erfüllung wenn man den Wunsch dran haengt und die Glocke läutet.

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Die letzte Station heute ist der älteste vietnameische Bahnhof. Gebaut unter französischem Einfluss. Der Bahnhof an sich hatte mich nicht so sehr fasziniert. Was ich toller fand war, dass hier jede Menge Hochzeitsshootings stattfanden. Ein bisschen wie der Schwetzinger Schlosspark von Vietnam :) Ich kam mit einem Fotografen und einem Bräutigam ins Gespräch der extra aus Ho Chi Minh City angereist ist. Die Vietnamesen machen die Paarshootings mehrere Monate vor der Hochzeit. In kompletter Montur. Respekt! Nichts desto trotz sah das alles ziemlich entspannt aus.

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Danke Mui. Fuer den ersten Tag!

Es war die richtige Entscheidung und ich bin gespannt was da noch kommen mag. Morgen geht es weiter. Wir kommen fast bis an die laotische Grenze. Nichts desto trotz wurde mir Wifi versprochen - wir werden sehen! Wenn es wieder so viele Bilder sind wie heute, wird das echt harte Arbeit. Aber egal ich freue mich. Abenteuer. Neue Eindrücke. Deswegen bin ich hier.

Bis morgen!